Gespräch mit dem Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg über seine Zeit in den USA

Schülerinnen und Schüler des Ulrichsgymnasiums Norden trafen am 26. Februar 2025 den Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg (geb. 1925 in Westrhauderfehn) und seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas zu einem besonderen Zeitzeugengespräch in Leer. Im Mittelpunkt des Interviews stand Weinbergs Leben nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager und seine mehr als sechs Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten.

Fortbildung zu Antisemitismus im digitalen Raum

Antisemitische Kommentare in Social Media oder sogar in Klassenchatgruppen sind für viele Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte eine tägliche Herausforderung. Im digitalen Raum gilt es genauso wie im Alltag, Haltung zu zeigen, Zivilcourage zu üben und Gegenrede zu leisten. Doch wie genau kann das gelingen? Antworten darauf bietet der 4. Fachtag „Antisemitismus im Netz und den sozialen Medien“ am 08. Oktober 2025 im Mariko in Leer (Bergmannstraße 36, Seminarraum 4. OG)

Zwischen Synagoge, Solidarität und Selbstbehauptung –jüdische Vereinigungen und Vereine in Ostfriesland

Von: Matthias Süßen

In den jüdischen Gemeinden Ostfrieslands spielte das Vereinswesen eine zentrale Rolle im religiösen, sozialen und kulturellen Alltag. In einer Region, die durch kleinstädtische Strukturen, dörfliche Gemeinschaften und weite ländliche Räume geprägt war, wurden diese Vereine zu wichtigen Stützen des Gemeindelebens. Sie förderten den Zusammenhalt innerhalb der jüdischen Bevölkerung, ermöglichten Bildungsangebote, unterstützten Bedürftige und vermittelten religiöse Inhalte. Besonders in Städten wie Emden, Leer, Aurich oder Norden, aber auch in kleineren Orten wie Bunde, Dornum oder Weener entstand seit dem 19. Jahrhundert ein breites Vereinsleben, das das jüdische Leben vor Ort maßgeblich prägte – bis die nationalsozialistische Verfolgung in den 1930er-Jahren das Vereinsleben zerstörte. Neben der Mitgliedschaft von Jüdinnen und Juden in den christlich dominierten Vereinen ihrer Heimatorte bildeten die rein jüdischen Vereine eine weitere Säule ihres gesellschaftlichen Engegements.

Katrin Himmler über die Neue Rechte: Vortrag im vollbesetzten Landschaftsforum

Von: Matthias Süßen

Die Politikwissenschaftlerin und Autorin Katrin Himmler hielt am 22. Mai im bis auf den letzten Platz besetzten Landschaftsforum einen Vortrag über die Ideologie und Strategien der sogenannten Neuen Rechten. Und fand dabei parallelen in Ihrer eigenen Familiengeschichte. Als Großnichte von Heinrich Himmler, einem der Hauptverantwortlichen des Holocaust, setzt sie sich seit vielen Jahren kritisch mit der NS-Vergangenheit auseinander.

In ihrem Vortrag zeigte Himmler eindrücklich auf, wie sehr sich heutige rechtsextreme Bewegungen an Sprache, Symbolik und Struktur der Nationalsozialisten orientieren. Aus dem NS-Slogan „Deutschland erwache“ werde heute etwa „Europa erwache“. Dabei sprach sie auch über bewusst doppeldeutige Kleidungsstile und scheinbar unauffällige Erkennungszeichen als Mittel der Vernetzung der rechten Szene.

Besonderes Augenmerk legte sie auf die Strategien der Neuen Rechten, ihre Ideologie in die Gesellschaft zu tragen. Sei es durch gezielte Provokation, vermeintlich inhaltliche Debattenbeiträge oder die Instrumentalisierung sozialer Medien. Dabei machte Himmler deutlich, dass die Gefahr nicht nur von offen gewaltbereiten Gruppen ausgeht, sondern auch von jenen, die im bürgerlichen Gewand demokratiefeindliche Inhalte verbreiten.

In der anschließenden Diskussion ging es um Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Rechtsextremismus. Himmler betonte die Bedeutung persönlicher Beziehungen: Wer den Kontakt zu Freunden oder Familienmitgliedern abbricht, die sich radikalisieren, mache es ihnen umso schwerer, den Weg zurück zu finden. Es gelte, wachsam und informiert zu bleiben und zugleich im Gespräch zu bleiben. So schwer dies im Einzelfall auch sei.

Hohe Auszeichnung für Wolfgang Kellner: Ubbo-Emmius-Medaille für herausragendes Engagement in der Erinnerungskultur

Wir freuen uns, dass ein Mitglied unseres Netzwerks eine besondere Anerkennung erhalten hat: Wolfgang Kellner wurde auf dem Oll‘ Mai 2025 für sein langjähriges und herausragendes Engagement in der Erinnerungskultur mit der Ubbo-Emmius-Medaille ausgezeichnet. Diese höchste Ehrung der Ostfriesischen Landschaft würdigt seinen unermüdlichen Einsatz für die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die aktive Förderung des interkulturellen Dialogs in der Region.

Nachlese: Exkursion zur Synagoge Groningen

Am 10. April 2025 fand eine Exkursion der Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben in Ostfriesland“ zur Synagoge Groningen statt. Diese Veranstaltung war das Ergebnis einer fruchtbaren Kooperation zwischen der Synagoge Groningen, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland und der Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft. Rund zwanzig Teilnehmer aus Deutschland und den Niederlanden kamen zusammen, um die jüdische Geschichte und Kultur in Groningen zu erkunden und dabei ein Zeichen für grenzübergreifende Zusammenarbeit zu setzen.

Max-Windmüller-Gesellschaft mit neuem Vorstand – Gedenkveranstaltung am 5. Mai

Die Max-Windmüller-Gesellschaft hat einen neuen Vorstand gewählt. Nach 15 Jahren im Amt übergab Dr. Rolf Uphoff den Vorsitz an Kai Gembler. Gembler würdigte seinen Vorgänger für dessen langjähriges Engagement: „Rolf Uphoff hat in seiner fünfzehnjährigen Amtszeit maßgeblich dazu beigetragen, die Erinnerung an die Geschichte der Emder Juden im Gedächtnis der Stadt wachzuhalten.“ Uphoff habe nicht nur vielfältige Forschungsarbeiten zur jüdischen Geschichte Emdens geleistet, sondern sich auch in zahlreichen Projekten für eine lebendige Erinnerungskultur eingebracht.

Holocaust-Überlebender aus Ostfriesland gibt Bundesverdienstkreuz zurück

Von: Matthias Süßen

Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg hat angekündigt, sein Bundesverdienstkreuz zurückzugeben. Wie die Tagesschau unter Berufung auf die dpa berichtete, traf der 99-Jährige die Entscheidung als Reaktion auf die Abstimmung im Bundestag, bei der am 29. Januar 2025 ein Antrag der Union zur Verschärfung der Migrationspolitik mit Unterstützung der AfD angenommen wurde.1