Friedrich II. Gemälde, Öl auf Leinwand, unbekannter Künstler. Museum im Landrichterhaus
Von: Stephan Horschitz
Nachdem der letzte ostfriesische Fürst Carl Edzard aus dem Hause Cirksena 1744 kinderlos verstorben war, verlor das Fürstentum Ostfriesland seine Souveränität und wurde Teil des Königreichs Preußen. Die Anwartschaft auf das Fürstentum Ostfriesland erhielt Preußen bereits 1694 durch Kaiser Leopold I. für den Fall, dass die Cirksenas keine männlichen Erben aufweisen konnten. Die Anbindung an Preußen hintertrieben aber auch die aus dem Appelle-Krieg[ii] von 1726/27 unterlegenen ‚renitenten‘ Stände. Das waren neben der Stadt Emden auch Teile der Herrlichkeitsbesitzenden, zu denen der Gödenser Graf Burchard Philipp gehörte. Der Auslöser für den Konflikt war ein Dekret, das der fürstliche Kanzler Brenneysen beim Reichshofrat und dem kaiserlichen Gericht in Wien bewirkte. Es sah das alleinige Recht des Fürsten über die Aufsicht des Steuerwesens vor.
Mit großer Bestürzung haben wir vom Tod Albrecht Weinbergs erfahren. Seine Stimme wird fehlen.
Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist im Alter von 101 Jahren verstorben.
„Wenn einer Hetzreden hält. Nicht umdrehen und weglaufen. Gib ihm Kontra! Open your mouth.“ Mit diesen Worten hat Albrecht Weinberg sein Vermächtnis selbst in wenige Sätze gefasst.
Am 12. Mai 2026 ist er im Alter von 101 Jahren „ganz ruhig und friedlich“ in Leer gestorben, wie seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas bestätigte. Ostfriesland verliert mit ihm nicht nur seinen bedeutendsten Zeitzeugen der Schoah. Es verliert einen Menschen, der bis ins hohe Alter unermüdlich gegen Antisemitismus und das Vergessen kämpfte.
Überregional und international löste sein Tod große Anteilnahme aus. Zahlreiche Medien, Politikerinnen und Politiker sowie Wegbegleiter würdigten ihn als unermüdlichen Mahner gegen das Vergessen, gegen Antisemitismus und gegen Rechtsextremismus. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier schrieb in seinem Kondolenzschreiben, Weinberg habe sich als Überlebender der Schoah „unermüdlich für Freiheit und Demokratie eingesetzt und unserem Land Versöhnung geschenkt. Dafür ist ihm unser Land zutiefst dankbar.“ Israels Botschafter Ron Prosor würdigte ihn als „einen Menschen voller Würde, Wärme, Humor und unerschütterlicher Kraft“
Geboren wurde Weinberg 1925 in Rhauderfehn. Als Jugendlicher wurde er von den Nationalsozialisten verfolgt und deportiert. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen sowie mehrere Todesmärsche. Fast seine gesamte Familie wurde ermordet. Nach Jahrzehnten in in den USA kehrte er 2012 gemeinsam mit seiner Schwester Friedel in seine ostfriesische Heimat zurück.
In seiner Heimat wurde Albrecht Weinberg weit über Ostfriesland hinaus zu einer der bedeutendsten Stimmen der deutschen Erinnerungskultur. Besonders junge Menschen suchte er immer wieder auf. Er war zu Gast in Schulen, bei zahlreichen Veranstaltungen und Gesprächen. Mit großer Offenheit berichtete er von den Verbrechen der Nationalsozialisten und warnte eindringlich vor Menschenfeindlichkeit und Geschichtsvergessenheit. Uns bleibt er nicht nur als Zeitzeuge, sondern als warmherziger, humorvoller und zugleich klarer Mahner in Erinnerung.
Auch für Frisia Judaica war seine Stimme von unschätzbarer Bedeutung. Weinberg erinnerte daran, dass jüdisches Leben selbstverständlicher Teil ostfriesischer Geschichte war und dass die nationalsozialistische Verfolgung nicht irgendwo geschah, sondern mitten in Städten und Gemeinden der Region. Seine Geschichte und die festgehaltenen Erinnerungen machen sichtbar, welche Folgen Ausgrenzung, Hass und Schweigen haben können.
Albrecht Weinbergs Stimme wird fehlen. Wir sind traurig und in Gedanken bei seinen Angehörigen und Wegbegleitern.
Das US National Archives (US National Archives and Records Administration, kurz NARA) hat erstmals die vollständigen digitalisierten Mitgliedskarteien der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) online zugänglich gemacht. Damit stehen über 16 Millionen Karteikarten aus dem ehemaligen Berlin Document Center frei im Internet zur Verfügung.
Die Sammlung umfasst sowohl die Zentralkartei als auch die Gaukartei und enthält Angaben zu Namen, Geburtsdaten, Berufen, Eintrittsdatum sowie Mitgliedsnummern. Für Historikerinnen und Historiker, Journalistinnen und Journalisten sowie Familienforscher eröffnet dies neue Möglichkeiten. Recherchen zu NSDAP-Mitgliedschaften sind damit ab sofort nun ohne vorherige Antragstellung möglich.
Zugleich stellt die Nutzung der Datenbank eine Herausforderung dar, da sie sehr umfangreich und nicht intuitiv aufgebaut ist. Eine hilfreiche Anleitung zur Recherche bietet ein Beitrag auf der Plattform Reddit.
Die Veröffentlichung ist ein bedeutender Schritt für die Aufarbeitung des Nationalsozialismus auf lokaler Ebene.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinden in Ostfriesland ist reich und bewegend. Mit dem neuen Podcast „Frisia Judaica – Der Podcast zur jüdischen Geschichte Ostfrieslands“ wird diese Geschichte nun auch hörbar.
Schülerinnen und Schüler des Ulrichsgymnasiums Norden trafen am 26. Februar 2025 den Holocaust-Überlebenden Albrecht Weinberg (geb. 1925 in Westrhauderfehn) und seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas zu einem besonderen Zeitzeugengespräch in Leer. Im Mittelpunkt des Interviews stand Weinbergs Leben nach der Befreiung aus dem Konzentrationslager und seine mehr als sechs Jahrzehnte in den Vereinigten Staaten.
Antisemitische Kommentare in Social Media oder sogar in Klassenchatgruppen sind für viele Lehrkräfte und pädagogische Fachkräfte eine tägliche Herausforderung. Im digitalen Raum gilt es genauso wie im Alltag, Haltung zu zeigen, Zivilcourage zu üben und Gegenrede zu leisten. Doch wie genau kann das gelingen? Antworten darauf bietet der 4. Fachtag „Antisemitismus im Netz und den sozialen Medien“am 08. Oktober 2025 im Mariko in Leer (Bergmannstraße 36, Seminarraum 4. OG)
In den jüdischen Gemeinden Ostfrieslands spielte das Vereinswesen eine zentrale Rolle im religiösen, sozialen und kulturellen Alltag. In einer Region, die durch kleinstädtische Strukturen, dörfliche Gemeinschaften und weite ländliche Räume geprägt war, wurden diese Vereine zu wichtigen Stützen des Gemeindelebens. Sie förderten den Zusammenhalt innerhalb der jüdischen Bevölkerung, ermöglichten Bildungsangebote, unterstützten Bedürftige und vermittelten religiöse Inhalte. Besonders in Städten wie Emden, Leer, Aurich oder Norden, aber auch in kleineren Orten wie Bunde, Dornum oder Weener entstand seit dem 19. Jahrhundert ein breites Vereinsleben, das das jüdische Leben vor Ort maßgeblich prägte – bis die nationalsozialistische Verfolgung in den 1930er-Jahren das Vereinsleben zerstörte. Neben der Mitgliedschaft von Jüdinnen und Juden in den christlich dominierten Vereinen ihrer Heimatorte bildeten die rein jüdischen Vereine eine weitere Säule ihres gesellschaftlichen Engegements.
Die Politikwissenschaftlerin und Autorin Katrin Himmler hielt am 22. Mai im bis auf den letzten Platz besetzten Landschaftsforum einen Vortrag über die Ideologie und Strategien der sogenannten Neuen Rechten. Und fand dabei parallelen in Ihrer eigenen Familiengeschichte. Als Großnichte von Heinrich Himmler, einem der Hauptverantwortlichen des Holocaust, setzt sie sich seit vielen Jahren kritisch mit der NS-Vergangenheit auseinander.
In ihrem Vortrag zeigte Himmler eindrücklich auf, wie sehr sich heutige rechtsextreme Bewegungen an Sprache, Symbolik und Struktur der Nationalsozialisten orientieren. Aus dem NS-Slogan „Deutschland erwache“ werde heute etwa „Europa erwache“. Dabei sprach sie auch über bewusst doppeldeutige Kleidungsstile und scheinbar unauffällige Erkennungszeichen als Mittel der Vernetzung der rechten Szene.
Besonderes Augenmerk legte sie auf die Strategien der Neuen Rechten, ihre Ideologie in die Gesellschaft zu tragen. Sei es durch gezielte Provokation, vermeintlich inhaltliche Debattenbeiträge oder die Instrumentalisierung sozialer Medien. Dabei machte Himmler deutlich, dass die Gefahr nicht nur von offen gewaltbereiten Gruppen ausgeht, sondern auch von jenen, die im bürgerlichen Gewand demokratiefeindliche Inhalte verbreiten.
In der anschließenden Diskussion ging es um Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Rechtsextremismus. Himmler betonte die Bedeutung persönlicher Beziehungen: Wer den Kontakt zu Freunden oder Familienmitgliedern abbricht, die sich radikalisieren, mache es ihnen umso schwerer, den Weg zurück zu finden. Es gelte, wachsam und informiert zu bleiben und zugleich im Gespräch zu bleiben. So schwer dies im Einzelfall auch sei.
Wir freuen uns, dass ein Mitglied unseres Netzwerks eine besondere Anerkennung erhalten hat: Wolfgang Kellner wurde auf dem Oll‘ Mai 2025 für sein langjähriges und herausragendes Engagement in der Erinnerungskultur mit der Ubbo-Emmius-Medaille ausgezeichnet. Diese höchste Ehrung der Ostfriesischen Landschaft würdigt seinen unermüdlichen Einsatz für die historische Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die aktive Förderung des interkulturellen Dialogs in der Region.
Am 10. April 2025 fand eine Exkursion der Arbeitsgemeinschaft „Jüdisches Leben in Ostfriesland“ zur Synagoge Groningen statt. Diese Veranstaltung war das Ergebnis einer fruchtbaren Kooperation zwischen der Synagoge Groningen, der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Ostfriesland und der Kulturagentur der Ostfriesischen Landschaft. Rund zwanzig Teilnehmer aus Deutschland und den Niederlanden kamen zusammen, um die jüdische Geschichte und Kultur in Groningen zu erkunden und dabei ein Zeichen für grenzübergreifende Zusammenarbeit zu setzen.